Architektur zwischen London und Amsterdam
Diese fünf Architekturplakate verbinden zwei Londoner Monumentalbauten mit englischen Landsitzen und den historischen Grachtenfassaden Amsterdams. Gemeinsam zeigen sie, wie sich Gotik, Barock und planmäßiger Städtebau in sehr unterschiedlichen Bauaufgaben ausdrücken.
AP 571 und AP 239 · London, St. Paul’s Cathedral
Nach dem Großen Brand von London im Jahr 1666 war die mittelalterliche St. Paul’s Cathedral nur noch eine Ruine. Christopher Wren wurde 1668 mit dem Wiederaufbau betraut; 1675 begannen die Arbeiten an der neuen Kathedrale, die 1711 offiziell als vollendet galt. Weil Wren das 35 Jahre dauernde Bauprojekt durchgehend leitete, entstand ein ungewöhnlich geschlossenes Gesamtkunstwerk. Das Plakat stellt die monumentale Westfassade und die große Kuppel ins Zentrum und macht die klare Symmetrie und klassische Gliederung des Baus unmittelbar sichtbar.
AP 712 und AP 023 · London, Westminster Abbey
Die heutige Westminster Abbey geht in wesentlichen Teilen auf König Heinrich III. zurück. Er ließ ab 1245 den östlichen Abschnitt der normannischen Abteikirche Eduards des Bekenners durch einen hochgotischen Neubau ersetzen. Der Bau wurde über Jahrhunderte fortgesetzt, wobei spätere Baumeister die Grundidee so konsequent bewahrten, dass ein bemerkenswert einheitlicher Eindruck entstand. Die auf dem Plakat dargestellte Westfassade erhielt ihren Abschluss erst 1745: Die Türme aus Portlandstein folgen einem Entwurf des Architekten Nicholas Hawksmoor und wurden von dessen Nachfolger John James vollendet.
AP 113 · British Country Houses, 1620–1720
Das Sammelplakat ordnet zahlreiche englische Landsitze als vergleichende Fassadenansichten. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich der Adelssitz zunehmend vom befestigten Herrenhaus zum repräsentativen Wohnbau; neben dem Hochadel traten wohlhabende Kaufleute und Politiker als Auftraggeber auf. Gegen Ende des Jahrhunderts entstand der englische Barock. Er übernahm europäische Anregungen, blieb gegenüber dem italienischen Barock jedoch meist zurückhaltender und stärker klassisch geordnet. In den nebeneinandergestellten Ansichten werden Symmetrie, hervorgehobene Mittelbauten, Seitenflügel und die wechselnde Silhouette der Häuser besonders gut vergleichbar.
AP 110 und AP 403 · Herengracht und Keizersgracht in Amsterdam
Die beiden Plakate basieren auf der von Caspar Jacobsz. Philips gezeichneten und radierten Fassadenserie der Keizersgracht und Herengracht, die zwischen 1768 und 1771 bei Bernardus Mourik in Amsterdam erschien. Die Jahreszahlen bezeichnen die Entstehung der Stiche, nicht die Bauzeit aller dargestellten Häuser. Philips dokumentierte die Straßenzüge als fortlaufende Reihen einzelner Fronten und bewahrte damit ein außergewöhnlich genaues Bild der damaligen Stadt. Der im 17. Jahrhundert angelegte Amsterdamer Grachtengürtel verband Wasserbau, Verkehrsplanung und regelmäßig parzellierte Wohnbebauung. Seine vielfältigen Giebelfassaden spiegeln zugleich den Wohlstand wider, den Amsterdam durch den internationalen Seehandel erlangte.