Verona: zweitausend Jahre Stadtarchitektur
Die fünf Architekturplakate führen von der römischen Arena über das mittelalterliche Marktzentrum bis zu den Palästen und Kirchen des 19. Jahrhunderts. Gerade das Nebeneinander verschiedener Epochen prägt Verona: Antike Straßen und Monumente blieben Bezugspunkte, während die Scaliger, die Republik Venedig und spätere Bauherren die Stadt Schicht für Schicht weiterformten.
AP 123 · Die Arena von Verona
Das Amphitheater wurde um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. außerhalb der damaligen Stadtmauer errichtet. Seine elliptische Form bot etwa 30.000 Menschen Platz und lenkte die Zuschauerströme über ein System aus Bogenöffnungen, Treppen und gewölbten Umgängen zu den Rängen. Verwendet wurden weißer und rosafarbener Kalkstein aus der Valpolicella, Ziegel und weitere regionale Baustoffe. Vom äußersten Fassadenring blieb nur die sogenannte „Ala“ erhalten; die heute sichtbaren Sitzstufen wurden seit dem späten 16. Jahrhundert erneuert. AP 123 öffnet den Bau in einer axonometrischen Schnittdarstellung und macht das Verhältnis von Arena, Cavea und tragender Gewölbestruktur verständlich. Seit der Aufführung von Verdis Aida im Jahr 1913 ist das antike Monument zugleich eine berühmte Opernbühne.
AP 527 und AP 311 · Piazza delle Erbe
Die Piazza delle Erbe liegt an der Stelle des römischen Forums und bewahrte dessen Rolle als wirtschaftliches und gesellschaftliches Zentrum. Ihre langgestreckten Platzwände vereinen das alte Rathaus, die Torre dei Lamberti, die freskierten Case Mazzanti, die mittelalterliche Domus Mercatorum und den barocken Palazzo Maffei. Fassadenmalerei war in Verona so verbreitet, dass die Stadt im 16. Jahrhundert den Beinamen urbs picta, gemalte Stadt, erhielt. Auch die Markussäule erinnert an die Zugehörigkeit zur Republik Venedig seit 1405. AP 527 zeigt eine Platzseite farbig mit den hoch aufragenden Türmen und den öffentlichen Bauten; AP 311 ergänzt sie durch das lange Panorama der gegenüberliegenden, unregelmäßig gewachsenen Häuserzeile.
AP 408 und AP 122 · Paläste, Kirchen und öffentliche Bauten
AP 408 versammelt Veroneser Palastfassaden vom 12. Jahrhundert bis 1850. Im direkten Vergleich werden Veränderungen sichtbar: aus schmalen mittelalterlichen Häusern und romanischen Bogenstellungen entwickeln sich regelmäßig gegliederte Renaissancepaläste, repräsentative Barockfassaden und strengere klassizistische Fronten. AP 122 erweitert diese Typologie auf die öffentliche und religiöse Architektur vom 1. Jahrhundert n. Chr. bis 1850. Kirchen, Türme, Tore, Loggien und monumentale Zweckbauten erscheinen maßstäblich geordnet auf einem Blatt. Zusammen erklären die Tafeln, warum Verona nicht durch einen einzigen Stil, sondern durch die ungewöhnliche Kontinuität seiner Baugeschichte ausgezeichnet ist.